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MDT vs. hands on

geschrieben von wenzel 
MDT vs. hands on
22.04.2016 21:20:15
Hallo Zusammen,
es wäre für mich sehr hilfreich zu wissen ob Ihr ähnliche Erfahrungen macht und was der way out für Folgendes ist:

Ich arbeite wirklich engagiert im Angestelltenverhältnis parallel zu hands on Therapeuten ziemlich konsequent nach MDT.
Leider kommt es nicht selten dazu, dass trotz guter medizinischer outcomes nicht wenige Patienten im Verlauf von z.B. Folgerezepten irgendwann wieder beim hands on Kollegen landen. ( unabhängig von Persönlichem)

Es gibt also z.T. einen Unterschied zwischen allgemeiner Zufriedenheit / Wohlfühlfaktor und dem klinischen Erfolg,
... und wirtschaftlich entscheidend ist am Ende Ersteres.

Die ganze Situation erschüttert mein schwindendes Vertrauen in MDT obwohl ich danach mehr als 10 Jahre arbeite.

Freue mich sehr über hilfreiche Kommentare!
Danke !



l
jb
Re: MDT vs. hands on
24.04.2016 13:44:51
Hallo Wenzel,
zunächst einmal ich kenne ähnliche Dinge/"Probleme" in meinem täglichen Praxisalltag. Hast Du denn eigentlich das Cred. Examen gemacht? Ich bin jetzt auch schon über 10 Jahre im Therapeutenberuf tätig und denke für mich mittlerweile es ist therapeutisch gesehen eben auch eine Mischung an Behandlungsformen die letztendlich dem Patienten/Klienten "helfen". So ganz streng nach Konzept zu arbeiten finde ich geht nur teilweise oder vielleicht auch besser ausgedrückt eben nicht bei jedem Menschen. Manche Menschen wollen sozusagen auch einfach angefasst werden. Denke aber auch, daß es auch sehr sehr viel an der therapeutischen Kommunikation liegt letztendlich den Patienten dann auch wie es eben im MDT Konzept ist zu befähigen eigentverantwortlich zu sein/zu handeln und sich selbst zu behandeln. Gib doch nochmal ne Rückmeldung.
Re: MDT vs. hands on
24.04.2016 14:28:23
Hallo jb,
ich habe 2007 Examen gemacht und hatte eigentlich auf der Agenda das Diplom evtl auch anzusteuern....
Aus meiner Sicht gibt es verschiedene Probleme:

- während des Erstkontaktes ist es schwer abzuschätzen ob der Patient zugänglich für die MDT Vorgehensweise und für mich ist ( kaum Einfluss haben Geschlecht, Alter, Bildungsstand), d.h. den "Hebel" kann man erst in den Folgesitzungen umlegen

- die kurzen Behandlungszeiten erlauben wenig Zeit dafür zu verwenden,dem Patienten Ängste zu nehmen, die Vorteile und Wichtigkeit dieser Herangehensweise herauszustellen und ihn dort abzuholen wo er steht -> ich muss ja noch "nebenbei " das mechanische Problem identifizieren und zusammen mit dem Patienten lösen

- "Mischbehandlungen " finde ich äusserst schwierig weil ich glaube dass man damit den roten Faden verlieren kann und die Zeit im Sinne des medizinischen Problems sinnvoller einzusetzen wäre

- in dem engen Zeitrahmen ist aus meiner Sicht MDT der schwierigere Weg für Therapeut und Patient, wenn nicht gleich zu Beginn ein Derangement erkannt wird.
Viele Patienten würden dann lieber den einfacheren Weg einschlagen und ich reibe mich auf....

...die Quadratur des Kreises smiling smiley
Re: MDT vs. hands on
29.04.2016 12:11:34
Hier kurz mein Gedanke dazu:
Befinde mich z.Zt. in OMT-Weiterbildung.
Zuvor Cred.MDT/CMP(Mulligan)/NOI(komplett)/MT(IAOM).
Nach gescheitertem TOEFL (82 statt erforderliche 95 Pkt.) von Dip.MDT zu OMT "gewechselt"(="Fehler"!?).
Grundsätzlich ist CR konzeptfrei, d.h. "verschiedene Wege führen nach Rom".
Fühle mich aber in OMT nicht wirklich wohl, weil:
1.)Kein rep. Testen (->ZE/PE)!
2.)Keine DP (Directional Preference): Prognose!?
3.)Wenig Eigenverantwortung des Klienten von Befund bis/zur (Eigen-)Behandlung.
4.)Zuviele (passive) Palpationstechniken (Befund/Behandlung): Aussagekraft/Wirkung!?
5.)Z.t. "alte" Verbandsinteressen (IMTA/Kaltenborn).

Wirklich modernes Klienten-Management erfordert meiner Ansicht nach:

1.)Kommunikationsfertigkeiten (->Coaching)!
2.)Übertragung Eigenverantwortung an Klienten.
3.)Beratung bzgl. Möglichkeiten, wie Klient diesen Weg gehen kann.

Ob der Klient diesen Weg gehen will, ist seine Entscheidung.

(Berufspolit. Situation diesbzgl. PT im System (Hilfsberuf/VO/Abrechnung) jetzt nicht zur Diskussion.)

Die Fitnessbranche macht es vor!



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 29.04.2016 12:13 von Andre.
Re: MDT vs. hands on
22.06.2016 09:18:13
Hallo Wenzel,

kann dich gut verstehen. Das Problem mit der McKenzie Herangehensweise ist, dass man im Befund nicht schnell genug und zuverlässig genau die Patienten erkennt, die nicht selber adäquat mithelfen wollen gesund zu werden.
Anders ausgedrückt, die Vorgehensweise Anamnese, MDT Untersuchung, Übungen als Hausaufgaben identifizieren und erklären, nach 20 Minuten die erste Sitzung beenden, ohne vielleicht den Patienten auch nur einmal angefasst zu haben und zu hoffen ,dass der dann brav zuhause übt, evtl. mit einem stärkeren Zentralisierungsschmerz, das Ganze immer in dem Wissen, es vielleicht mit einem (vielleicht nur momentan) nicht mechanisch behandelbaren Problem zu tun zu haben, das ist mit der Vorerfahrung der Patienten in Bezug auf Krankengymnastik, den Erwartungen, Vorstellungen und Ängsten der Patienten sehr selten vereinbar.
Das heißt nicht, dass McKenzie nicht auch bei dieser Gruppe funktioniert, jedoch ist es nach meiner Erfahrung extrem wichtig, dass die Patienten in der Praxis von allen Therapeuten nach McKenzie weiterbehandelt werden. Ganz schlecht ist es, wenn dann jemand anfängt zu massieren. Dann passiert i.d.R folgendes: Patient findet das viel besser als Übungen und "Drücken" (kein Wunder, die Hauptwirkung der Massage ist ja ein kurzfristiges Ankurbeln des endogenen Morphinsystems), Patient wünscht an der Anmeldung nur noch bei der Massagetherapuetin Termine...und das war es dann.
Leider bewerten Patienten die Behandlung/Behandler sehr subjektiv (für sie objektiv,,da ihnen im Moment mit Massage geholfen wurde) und letztendlich liegt die Entscheidung welche Therapie sie bekommen ganz bei Ihnen.

Hochspannung finde ich ja diese riesengroße, inhomogene Gruppe von Menschen, die lange Wege, Kosten und Wartezeiten in Kauf nehmen, um sich dann 20 Minuten ein wenig am Steiß kraulen zu lassen, sich mit einer bewundernswerten Ausdauer über ihre vielen Beschwerden zu unterhalten - und das jahrelang, ohne dass sich etwas ändert.

Genauso krass unlogisch ist es, wie sich eigentlich alle im Gesundheitswesen komplett falsch verhalten, was leitliniengerechtes Arbeiten angeht. Aber das ist ein Thema für sich, verstehen kann man das nur, wenn man Begriffe wie Therapeutische Allianz, Konkurrenzdenken unter Physios und wirtschaftliche Aspekte ins Feld führt.

Sehr interessant finde ich auch Folgendes: die sogenannte Gefühlsblindheit, Alexithymie (betrifft 17% aller Menschen, lt. einer finnischen Studie) erzeugt durch die Unfähigkeit Die eigenen Gefühle wahrzunehmen (somatische) Schmerzen. D.h., diese Leute haben "Rücken" (oder was anderes) obwohl sie eigentlich traurig/wütend usw. sind. Das ist ja nix Neues was ich hier schreibe, nur, ich finde allein diese Gruppe doch recht groß und es lohnt sich da frühzeitig Möglichkeiten der Kategorisierung zu finden (ist ja DIE Stärke im MDT-Konzept), die diesen Patienten gerecht wird.

An manchen Tage habe ich das Gefühl, dass ich nur die ganz Irren auf der Bank habe und die "guten" Patienten alle da draußen frei herumlaufen.
Ich neige dann nicht selten dazu einfach nur noch zwei Schubladen zu haben: Die da draußen (die mit mir nach der Arbeit in der Kletterhalle rumhängen, Laufen gehen, Fahrrad fahren usw.) und die bei mir auf der Bank liegen und sich kraulen lassen.

Ein Beispiel für einen "guten" Patienten ist ein Freund, der sich beim Sport den Rücken so stark gestaucht hat, dass er mit dem Rettungswagen in die Uniklinik eingewiesen wurde, konnte kaum noch atmen, wohl,sehr heftig. Rö, Mrt ergab dann "Stauchung" , keine Frakturen.
Als er dann heimgeschickt wurde, ist er nicht zur Physio gegangen, sondern hat sich (eher zufällig mich an der Häuserecke treffend) lange mit mir unterhalten, dann beschlossen Schwimmen zu gehen (Trainerstunden genommen weil er nicht gut Kraulen konnte). Er hat die ganze Zeit weitergearbeitet, mich immer wieder befragt, ich habe ihn darin bestärkt weiter zu machen und Geduld zu haben...nach 3 Jahren geht es ihm jetzt wieder sehr gut.
Gruß Thies



2 mal bearbeitet. Zuletzt am 22.06.2016 09:22 von Thies.
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